EUROPAN 6 INGOLSTADT

PREFAB_ULOUS

Blauwerk – Christian Kern, Michael Schneider, Barbara Schneider, Ulrike Mertl

WETTBEWERB

Das Architektenteam BLAUWERK orientierte sich mit seinem Konzept an der Typologie des Terrassenhauses mit gut belichteten Wohnungen und privaten Freiflächen. Zwei unterschiedlich hohe abgestufte Riegel werden durch eine ebenerdige Parkgarage verbunden, auf deren Dach eine Gemeinschaftsfläche mit privaten Terrassen und halböffentlichen Innenhöfen die beiden Baukörper verbindet. Terrassenhäuser nutzen die vorhandene Topografie, im vorliegenden Fall wurde diese artifiziell durch eingeschobene Nebenräume und Gewerbeeinheiten geschaffen. Das Gebäude greift ein klassisches Leitmotiv der modernen Architektur auf: das Bauen mit Systemen. Vorfertigung und Systematisierung des Bauprozesses verbinden Ökonomie und Ökologie mit tektonischer Qualität.

STUDIEN

Bereits im Europan-Wettbewerb wurde ein relativ konkretes Raumprogramm mit klaren Anforderungen bezüglich der Funktionalität definiert, dem das Gebäudekonzept des Entwurfs entsprach. Große Bedenken bestanden jedoch gegenüber der Konstruktionsweise aus vorgefertigten Raumzellen. Im Bürobau wurde diese Bauweise zwar mehrfach erfolgreich eingesetzt, im Geschosswohnungsbau jedoch nur bei temporären Bauten. Kurze Bauzeiten und die leichte Rückbaubarkeit waren keine relevanten Argumente, da der Bauherr von einer langen Nutzungsdauer bei seinen Gebäuden ausgeht. Nachdem sich herausstellte, dass diese Bauweise auch wirtschaftlich innerhalb der Förderrichtlinien nicht realisiert werden konnte, wurde eine Konstruktion aus vorgefertigten Stahlbetonelementen gewählt. Das strenge Konstruktionsraster aus dem Wettbewerb war dabei von Vorteil. Eine besondere Herausforderung war die geänderte Nutzung der nach Norden orientierten Einheiten für Kleingewerbe. Hier sollten jetzt ebenfalls Wohnungen entstehen. Durch die Ausbildung als Maisonettetypen mit Lufträumen konnte das Südlicht bis tief in die Wohnungen geholt werden, private Freiflächen wurden als kleine Gärten auf dem angehobenen Hof realisiert. Um den Anforderungen an Energieeffizienz, Schallschutz und Privatheit gerecht zu werden, wurde die Nordseite als Lochfassade mit schmalen horizontalen Fenstern ausgebildet. Abgesehen von diesen Änderungen konnte das Gebäude jedoch dank eines aufgeschlossenen Bauherrn nahe am Wettbewerbskonzept realisiert werden.

REALISIERUNG

Mehrere horizontale und vertikale Durchwegungen gliedern den Baukörper und verbinden die Gemeinschaftsfläche mit dem südlich gelegenen Freibereich. Die Maisonettetypen in den ersten beiden Geschossen entsprechen in ihrem Charakter Reihenhäusern mit eigenen Gärten. Im Rahmen des geförderten Wohnungsbaus konnten Grundrisse mit Galerien, Oberlichtern, raumhohen Schiebetüren und durchgesteckten Wohnräumen realisiert werden. In der Parkgarage sind die Stellplätze direkt neben den persönlichen Zugängen der Maisonettewohnungen angeordnet. Der Wohnungsmix reicht von der 2bis zur 5-Zimmer-Wohnung, mit Wohnflächen von 55 bis 100 m2, die teils rollstuhlgerecht geplant wurden. Zwei der insgesamt 48 Wohneinheiten können auch gewerblich genutzt werden, für einen wohnungsnahen Arbeitsplatz oder als kleiner Laden für die Nahversorgung. An der stark befahrenen Straße sorgt die Grundrisskonzeption mit einer Nebenraumzone und einer Verglasung als zweite Gebäudehaut für ruhiges Wohnen. Eine spezielle Anordnung der raumbreiten und niedrigen Fenster schafft bildhafte Ausblicke für die Bewohner und reduziert die Einblicke seitens der Passanten. Der Energieverbrauch wurde durch mehrere Maßnahmen optimiert. Die terrassierte Südorientierung ermöglicht hohe solare Gewinne, die geschlossenen Oberflächen erhielten eine erhöhte Wärmedämmung. Jede Wohnung wurde mit einer dezentralen Wärmerückgewinnung ausgerüstet und das Warmwasser wird in Solarkollektoren auf dem Dach erhitzt. Auf Grund der positiven Erfahrungen mit diesem Konzept wurde 2010 auch das zweite im Wettbewerb vorgeschlagene Gebäude realisiert.