Europan 9 Selb

Catalog for dwelling on the time

Jugendhotel und Jugendclub

Gutierrez-Delafuente (Julio de la Fuente + Natalia Gutiérrez)
Tallerde2 (Alvaro Martín Fidalgo + Arantza Ozaeta)

Wettbewerb

Catalog for dwelling on the time.
Das Entwurfskonzept sieht eine Ver­dichtung des Wohnungsbaus entlang der Blockränder vor und schafft so städtische Straßenfronten und soziale Interaktion innerhalb der Einheiten. Diese Bausteine einer städtebaulichen Entwicklung werden über eine spezi­fische Kombination aus Aktivitäten, Wohnangeboten und Infrastrukturen definiert. Konnektivität ist ihr Poten­zial. Es wird ein Katalog von program­matischen Streifen vorgeschlagen, die wie eine Art Prothese funktionieren: sie passen die bestehenden Gebäude neuen Anforderungen an und bilden durch Addition unterschiedlicher Ele­mente neue städtische Einheiten.

Die Intervention ist in drei Schritte unterteilt: Renovierung und Erweite­rung, Errichtung neuer Wohneinhei­ten, Einbeziehung öffentlich genutz­ter Streifen. Das Spiel ist eröffnet, die Regeln aufgestellt.

Studien

Von der heilenden zur präventiven Akupunktur (2008–2010)
Das Wettbewerbskonzept bedient sich der heilenden Akupunktur, um das Ungleichgewicht zwischen An­ gebot und Nachfrage einer altern­ den Gesellschaft und der Stadt Selb auszugleichen. Der Entwurfsschwer­punkt lag daher auf der Schaffung besserer Lebensbedingungen für ältere Menschen durch Anpassung ihrer Wohnungen, Verbesserung der Erschließung und durch spezielle Ein­richtungen und Angebote im öffent­lichen Raum. Im Laufe des Realisie­rungsprozesses wurde gemeinsam mit den Akteuren vor Ort und dem Stadtrat entschieden, die urbane Strategie neu auszurichten: „Präven­tion ist besser als Heilung.“

Der Vorschlag sah nun eine Revitali­sierung der schrumpfenden Stadt Selb durch präventive Akupunkturen vor, mit dem Ziel, junge Menschen für die Stadt Selb zu interessieren und junge Selber mit attraktiven neuen Ange­boten an ihre Stadt zu binden. Eine Stadt, die unterschiedliche Alters­ stufen, Funktionen, soziale Ebenen und Kommunikation integriert – Men­schen locken weitere Menschen an. Die vier Projekte, die diesen Prinzipi­en folgen, sind: Jugendhotel und Ju­gendclub, Fußball­-Stadion und Haus der Tagesmütter.

Jugenhotel und ­-club waren zunächst unabhängige Projekte. Letztendlich wurde die Interaktion zwischen ortsansässigen und frem­den Jugendlichen zum eigentlichen Ziel im Realisierungsprozess, deswe­gen wurde ein gemeinsames Gebäu­ de vorgeschlagen, mit überlappen­ den programmatischen Grenzen. Das Gebäude wird zur Landmarke in der Innenstadt: gleichzeitig Attraktor und Kondensator urbaner Dynamik.

Realisierung

Jugendhotel und Jugendclub (2010-2012)
Die Strategie der Streifen ist anpas­sungsfähig und wird komplexen ur­banen Bedingungen gerecht: unre­gelmäßige Geometrie, verschiedene Maßstäbe der Umgebung, unter­ schiedliche Niveaus im Erdgeschoss. Das Grundstück liegt in der Innen­ tadt, zwischen zwei kleinen öffent­lichen Plätzen. Indem sich jeder Zugang über den zugehörigen Platz identifiziert, werden sie zum Teil des Projektes. Außerdem werden sie zum Innenhof hin erweitert, einem halböffentlichen Bereich als fließen­ der Übergang zwischen Gebäude und urbanem Raum. Die Flexibilität der Streifen gestattet die Organisa­tion der Programme in Bändern un­terschiedlichen Maßstabes: private und öffentliche Nutzungen, Installati­onen, vertikale Erschließung etc.

Die zwei Gebäude – Hotel und Club – haben getrennte Zugänge, wodurch eine separate Verwaltung möglich wird. Die Verbindung gewährleis­tet die sogenannte Magic Box, ein Brücken-Streifen mit vielfältigen ge­meinsamen Nutzungen und Kontakt­flächen.

Die Struktur greift die ortsübliche Konstruktion mit tragenden Ziegel­ wänden auf. Die Fassaden werden in Ortbeton, Dach und Decken als Fertig­teile ausgeführt. Für Hauptfassaden und Dach wird dasselbe Material ver­ wendet: Metalltafeln mit trapezförmi­gem Querschnitt und Hinterlüftung. Einige Parameter der Variabilität be­ stimmen das Äußere des Gebäudes: Maßstab der Faltung, Farbe, Hellig­keit und Perforation, eine belebte und heterogene Fassade entsteht. Die Seitenfassaden werden, im Ge­gensatz dazu, mit weißen Polycarbo ­nat-Tafeln bekleidet.